Warum meine Kapitel nach Märchen klingen
Warum meine Kapitel nach Märchen klingen...
Über Sprache, Alter und das, was Kinder noch nicht sagen können
Manche Leserinnen wundern sich über die Kapitelüberschriften.
Sie klingen nach Märchen.
Nach etwas Weichem.
Nach einer Welt, die nicht ganz greifbar ist.
Das ist kein Stilmittel.
Es ist Erinnerung.
Die Kapitel meines Buches sind aus der jeweiligen Altersstufe heraus geschrieben.
Und ein dreijähriges Kind spricht anders über die Welt als eine Erwachsene.
Ein kleines Kind hat keine Worte für Grenzüberschreitungen.
Keine Sprache für Scham.
Keinen Begriff für Schuld oder Verantwortung.
Es fühlt. Punkt.
Deshalb klingen diese Kapitel so, wie sie klingen.
Weil Gefühle zuerst da waren.
Und Worte erst viel später.
Das ist etwas, dessen wir uns bewusst sein sollten – besonders, wenn wir selbst kleine Kinder begleiten.
Kinder brauchen Worte
Auch für das Unangenehme.
Auch für das, was man am liebsten ausspart.
Nicht, um sie zu überfordern.
Sondern um ihnen Werkzeuge zu geben.
Ein Kind, das benennen darf,
ist ein Kind, das sich nicht allein fühlt mit dem, was es erlebt.
Sprache schützt.
Schweigen isoliert.
Und manchmal beginnt Schutz nicht mit großen Gesprächen,
sondern mit einfachen Sätzen:
„Das fühlt sich nicht gut an.“
„Du darfst Nein sagen.“
„Du darfst mir alles erzählen.“
