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Ausschalten

Und manchmal ist es genug....

Barfuß tanzen im Wohnzimmer, TV ausgeschaltet

Von mutigen Neins und großen, stillen Jas

Ausschalten

Jeden Tag, wenn ich das Radio einschalte,

denke ich: Nicht schon wieder!

Nicht schon wieder Macht mit Kriegsgedanken.

Nicht schon wieder Missbrauch und Femizid.

Nicht schon wieder Männer in Anzügen, die erklären,

warum sie alles dürfen und andere nichts wert sind...

Nicht schon wieder Zahlen statt Namen.

Nicht schon wieder "Einzelfall".

Nicht schon wieder "leider unvermeidlich".

*

Und irgendwann merkst du: Es schockt dich nicht mehr.

Gefährlich ist nicht nur das Böse.

Gefährlich ist auch die Gewöhnung. Das Abstumpfen

Wir hören von Kindern. Von Gewalt.

Von Ausbeutung. Von Gier.

Und mit jedem Mal wird der innere Aufschrei leiser.

Weil wir müde sind.

Weil man nicht jeden Tag weinen kann ohne irgendwann zu versteinern.

*

Und plötzlich fragt niemand mehr: Wie konnte das passieren?

Weil zur Rechenschaft sowieso kaum jemand gezogen wird.

Weil Macht und Geld gleichzeitig Schutz bedeuten.

Stattdessen nur noch: Wie oft noch?

Und wir vergessen die wichtigste Frage:

Wir stoppen wir den Wahnsinn - jetzt?

Wie schützen wir uns und unsere Kinder?

Manchmal denke ich: Soll das jetzt normal sein?

Soll das jetzt Alltag sein?

Soll ich mich daran gewöhnen, dass Würde verhandelbar ist,

wenn genug Geld im Spiel ist?

Was wäre, wenn wir heute einfach mal ausschalten?

Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Klarheit.

Kein Radio.

Kein Dauer-Drama.

Kein Empörungs-Abo.

Was wäre, wenn wir diesem Irrsinn keine Bühne mehr geben

in unserem eigenen Kopf?

Was wäre, wenn wir Frauen aufhören, uns klein zu vergleichen

und anfangen, uns groß zu halten?

Wenn wir uns auf unseren Wert, unser Denken unser Tun fokussieren,

statt auf Aussehen, Alter, Gewicht und Teint?

*

Wenn wir sagen: Dein Erfolg bedroht mich nicht.

Er bereichert und erinnert mich.

Wenn wir einander tragen statt bewerten?

Was wäre, wenn Mensch wieder mehr zählt als Marktwert?

Wenn niemand mehr fragt: Was bringt es mir ein?

Was wäre, wenn wir öfter tanzen als scrollen,

öfter träumen als optimieren?

Wenn wir leben, statt performen?

Wir rennen Zielen hinterher, die nie satt machen und nennen es Karriere.

Wir opfern Zeit, Gesundheit, Beziehungen und nennen es Erfolg.

Aber was, wenn Erfolg heißt:

Abends noch bei sich zu sein.

Noch fühlen zu können.

Noch lachen zu können.

Noch weich zu sein in einer harten Welt?

Vielleicht ist Revolution heute leise.

Vielleicht trägt sie keine Fahnen.

Vielleicht sitzt sie barfuß im Wohnzimmer, trinkt Tee

schaltet den Fernseher aus.

Und sagt: Ich spiele dieses Spiel nicht mehr mit.

Vielleicht beginnt Veränderung nicht auf Bühnen.

Sondern im Herzen.

In Entscheidungen.

In kleinen mutigen Neins.

Und großen stillen Jas.

*

Petra Voithofer, Februar 2026

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